Sonntag, 1. April 2007

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone: Motu Proprio zum alten Ritus kommt

Aus dem Newsletter von Radio Vatikan vom 1. April 2007:

In einem Gespräch mit dem Magazin der französischen Tageszeitung “Le Figaro” meinte Bertone nach Agenturangaben wörtlich: “Der Wert der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils bleibt unangetastet. Aber man darf nicht das große liturgische Erbe verlieren, das uns der heilige Papst Pius V. gegeben hat, und muss auf die Bitten von Gläubigen reagieren, die an Messen nach diesem Ritus teilnehmen wollen - im Rahmen des Missale, das 1962 von Papst Johannes XXIII. veröffentlicht wurde, mit seinem eigenen (liturgischen) Kalender. Da gibt es keinen zwingenden Grund, den Priestern in aller Welt nicht zu erlauben, nach dieser Form zu zelebrieren.” Bertone weiter: “Die Erlaubnis durch den Heiligen Vater würde natürlich dem Ritus von Paul VI. all seine Gültigkeit belassen”. Nach Agenturberichten bestätigt Kardinal Bertone ausdrücklich, dass es zu einer Veröffentlichung des Motu Proprio kommen wird, “das diese Erlaubnis ausspricht”. Der Papst werde “selbst seine Motive und den Rahmen seiner Entscheidung” erklären. Benedikt XVI. wolle “seine Sicht zum Gebrauch des alten Missale den Christen und vor allem den Bischöfen selbst unterbreiten”. Der Kardinalstaatssekretär präzisierte in dem Gespräch, dass die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil den Gebrauch des Lateinischen und des Gregorianischen Chorals nie “verboten” habe - “ganz im Gegenteil”, sie habe ihnen “einen gerechten, wichtigen Platz bewahren” wollen. (apic)

Aus dem Newsletter von Radio Vatikan vom 1. April 2007. Das Datum macht stutzig.

J.K.

Kommentare:

Linus hat gesagt…

Man sollte aber nicht in eine "Motu - Manie" verfallen.
http://www.kreuz.net/article.4951.html

LG, skeptisch bis zur Veröffentlichung.
M.St.

Nolasker hat gesagt…

Lieber Linus,

bei näherem Nachdenken erscheint es mir ohnehin komisch: Etwas das nie verboten war, soll nun erlaubt werden - und das noch dazu nach jahrelangem Hinhalten. Irgendwie sieht mir das nach Beschäftigungstherapie für die traditionstreuen Katholiken aus. Noch dazu werden katholikenfeindliche Strömungen, die nach dem Vat II in der Kirche Einzug gehalten haben, durch diese Scheinmaßnahmen nicht unschädlich gemacht.
Ich halte nicht viel auf diese Ankündigung.
J.

Nepomucenus hat gesagt…

Sollte der Hl. Vater auch nur annähernd tun, was Kardinal Bertone angekündigt hat, so wäre dies der größte Fortschritt, den die Tradition in den letzten Jahrzehnten erfuhr. Ich kann daher jene durchaus nicht verstehen, die darin "nichts Besonderes" sehen. Keinesfalls würde es sich um eine Scheinmaßnahme handeln: denn in der Praxis war ja doch die Auffassung ebenso dominant wie wirksam, die "alte Messe" sei verboten und bedürfe allenfalls ausdrücklicher Erlaubnisse. Sollte dieser Zustand behoben werden, so wäre das ein echter Durchbruch.

Nolasker hat gesagt…

Lieber Nepomucemus,
Zwei Punkte bleiben offen: Erstens die Frage, die wievielte Ankündigung zur "Freigabe" der überlieferten Messe ist das nun? Zweitens, wie soll diese "Freigabe" sich praktisch gestalten? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das von statten gehen soll.
Aber bitte, ich will nicht von vornherein schwarzmalen oder etwas schlechtreden. Haben Sie vielleicht nähere Informationen, wie die Umsetzung in der Praxis angedacht ist?
MfG, Nolasker